Projekte wie ELBA, die Familienlotsen Neukölln und LoGiK zeigen, wie moderne interprofessionelle Zusammenarbeit die strukturelle Lücke zwischen medizinischer Versorgung und sozialpädagogischer Hilfe schließt. So können sie Familien, Kinder und Jugendliche in belastenden Lebenslagen frühzeitig unterstützen und gleichzeitig Arztpraxen entlasten. Gemeinsam mit Sozialpädagog*innen, Vertreter*innen der Krankenkassen, der Arztpraxen, der Senatsverwaltung, der Bezirksämter, aus dem Abgeordnetenhaus, Wissenschaftler*innen der Charité tauschten sie sich über Möglichkeiten einer Verstetigung und Weiterentwicklung dieses Erfolgsmodells aus.
Das Problem: Familien, Kinder und Jugendliche in belastenden Lebenslagen finden mitunter nur schwer ins Hilfesystem. Die Gründe hierfür sind vielfältig und reichen von Überforderung über Scham bis hin zu fehlendem Wissen über Hilfsangebote.
Die Folge: Familien mit Unterstützungsbedarf werden häufig nicht erreicht, obwohl geeignete Hilfen vorhanden sind, die Probleme lindern, einen bedarfsgerechten Mitteleinsatz ermöglichen und aufwändigere spätere Maßnahmen ersparen können.
Die Lösung: Unterstützung gelingt dort am besten, wo Familien ohnehin sind und Vertrauen haben – in Kinder- und Frauenarztpraxen. Die Beratenden und Lotsen sind an ausgewählten Tagen in der Arztpraxis vor Ort und direkt ansprechbar oder sprechen selbst die Familien an. Sie beraten, vermitteln und unterstützen bei sozialen, familiären oder persönlichen Problemen – über die medizinische Behandlung hinaus.
Win-Win für alle: Familien werden früh erreicht, Arztpraxen entlastet und hohe Folgekosten und Leid erspart.
In Berlin werden derzeit in acht Bezirken Beratungs- und Lotsenprojekte in Kinderarztpraxen durchgeführt. Die derzeit eingesetzten Finanzierungen (z.B. Mittel des Flexibudget oder Präventionsmittel der GKV) sind auf eine modellhafte Erprobung angelegt und laufen zum Teil Ende dieses Jahres aus. Es fehlt eine landesweit abgestimmte nachhaltige Finanzierung, Verteilung und bedarfsorientierte Absicherung.
Die Projekte zeigen, wie Familien und ihre Kinder zielgenau an ein bereits gut ausgebautes Unterstützungssystem herangeführt, ihre Bedarfe ermittelt und sichtbar gemacht, Arztpraxen entlastet und frühzeitige Hilfen möglich gemacht werden: niedrigschwellig, kostenlos und präventiv. Gesundheit Berlin-Brandenburg e.V. unterstützt daher die Forderungen des auf der Veranstaltung veröffentlichten Positionspapiers zur nachhaltigen Verstetigung und Ausbau dieses Erfolgsmodells (hier).