Expert*innen aus Politik, Praxis und Zivilgesellschaft diskutierten, welche Voraussetzungen auf politischer, institutioneller und individueller Ebene geschaffen werden müssen, damit Menschen Krisen besser bewältigen können.
Staatssekretärin für Gesundheit und Pflege, Ellen Haußdörfer, erklärte in ihrem Grußwort, das Land Berlin werde eine Landesstrategie zur Stärkung der Gesundheits- und Gesundheitssystemkompetenz auf den Weg bringen. Erkenntnisse aus der Landesgesundheitskonferenz sollen darin berücksichtigt werden. Ziel müsse sein, dass alle Berliner*innen Zugang zu verlässlichen Gesundheitsinformationen und -dienstleistungen haben – gerade in Krisenzeiten, wenn schnelle, verständliche Orientierung über das Gesundheitssystem lebenswichtig ist.
Ein zentraler Pfeiler für den Umgang mit Krisen komme dem Öffentlichen Gesundheitsdienst zu – darin waren sich die Beteiligten der Diskussionsrunde einig. Der ÖGD müsse in seiner Rolle als Instrument der Krisenresilienz weiter gestärkt werden, statt die seit der Corona-Pandemie getätigten Investitionen durch das Auslaufen der Bundesmittel für den ÖGD im kommenden Jahr an Wirkung verlieren zu lassen.
Für die stationäre Versorgung wurde verdeutlicht, dass viele Kliniken ihre Notfall- und Krisenpläne bereits schärfen und Strukturen anpassen. Gleichzeitig stießen Krankenhäuser bei Personal, Finanzierung und baulicher Infrastruktur an Grenzen – hier brauche es verlässliche Unterstützung und klare Rahmenentscheidungen der Landespolitik. Besonders hervorgehoben wurde zudem die Rolle der ambulanten Pflege und der Pflegeeinrichtungen: Sie sei nah an den Menschen, erlebe Krisensituationen früh und könne Orientierung, Sicherheit und Gesundheitskompetenz im Alltag vermitteln. Damit dieses Potenzial im Krisenfall besser genutzt werden kann, wünschen sich Träger gezielte Unterstützung bei der Entwicklung und Umsetzung praxistauglicher Krisenkonzepte.
Die Antwort auf die Frage, wie Menschen in Krisen erreicht werden können, war für eine Teilnehmerin klar: Die Brücke zu besonders schutzbedürftigen Gruppen seien die sozialen Träger Berlins – weil Menschen mit Armutserfahrung, Behinderungen, chronischen Erkrankungen oder Sprachbarrieren häufig nicht von allein in Informations- und Versorgungssysteme finden und deshalb gezielte, aufsuchende und vertrauensbasierte Unterstützung brauchen. Deutlich wurde auch, dass Nachbarschaften eine wichtige Ressource in Krisen sind: Wo Menschen sich kennen und gegenseitig unterstützen, kommen sie besser durch belastende Situationen. Dafür brauche es eine aktive Rolle der Bezirke – etwa durch Unterstützung von nachbarschaftlichen Initiativen und gesundheitsfördernden Angeboten, die solche lokalen Netzwerke stärken.
Das Gesundheitsforum bot den Rahmen für die öffentliche Diskussion; die eingebrachten Erfahrungen und Anregungen fließen nun in die weitere Arbeit der Landesgesundheitskonferenz ein. Hintergrund ist der Beschluss, sich in den kommenden zwei Jahren dem Schwerpunkt Gesundheitskompetenz zu widmen. Verschiedene Arbeitsthemen sollen als Bausteine zur Stärkung der Gesundheitskompetenz weiterentwickelt werden – sowohl bei den Berliner*innen als auch innerhalb der Institutionen des Gesundheitswesens.
Als Geschäftsstelle der Landesgesundheitskonferenz fungiert die Fachstelle für Prävention und Gesundheitsförderung im Land Berlin in Trägerschaft von Gesundheit Berlin-Brandenburg e.V. Sie wird gefördert durch die Senatsverwaltung für Wissenschaft, Gesundheit und Pflege. Weitere Informationen zur Landesgesundheitskonferenz finden Sie auf der Website der Fachstelle für Prävention und Gesundheitsförderung im Land Berlin.
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