Unsere Sprechzeiten:

Wahlprüfsteine zur Berliner Abgeordnetenhauswahl 2026

Frage 8 - Landesstrategie gegen Kinderarmut

8. Welchen Beitrag wollen Sie zur Umsetzung der 15 strategischen Ziele der Berliner Strategie gegen Kinderarmut leisten?

CDU: "Jedes Kind verdient gleiche Chancen auf Bildung, Förderung und ein selbstbestimmtes Leben. Für uns sind ein starkes soziales Hilfenetz und gute Bildungsangebote der zentrale Schlüssel im Kampf gegen Kinderarmut. Mit dem Familienfördergesetz und der Landeskommission gegen Kinderarmut haben wir auf Senats- und Bezirksebene eine gute Struktur der Kooperation eingerichtet, um Präventionsketten und kommunale Präventionsstrategien zu etablieren. Hierzu wurden auch 12 Koordinierungsstellen eingerichtet.

Unser Ziel ist es zugleich, bestehende Leistungen einfacher zugänglich zu machen und stärker in den Alltag von Kindern zu integrieren. Denn häufig scheitert die Inanspruchnahme von Leistungen – etwa aus dem Bildungs- und Teilhabepaket (BuT) – nicht am Angebot, sondern an bürokratischen Hürden, fehlender Information oder komplizierten Verfahren. Deshalb werden wir einen „Berliner Chancenpass“ einführen, der Leistungen bündelt, entbürokratisiert und digital zugänglich macht. Als einfach und intuitiv bedienbare App soll er Kindern und ihren Familien einen Überblick über Angebote im Kiez geben und einen direkten Zugang zu Bildungs- und Freizeitangeboten ermöglichen – etwa für Sportvereine, Musikschulen oder Nachhilfe. Der „Chancenpass“ soll dabei auch unmittelbar genutzt werden können, beispielsweise als Eintrittskarte für den Schwimmbadbesuch. Außerdem setzen wir uns auf Bundesebene dafür ein, dass das Einkommen von Jugendlichen aus Schülerjobs, Ferienarbeit oder Ausbildung nicht mehr auf die Sozialleistungen der Eltern angerechnet wird. So stärken wir Eigeninitiative, Verantwortungsbewusstsein und den Anreiz, früh praktische Erfahrungen zu sammeln.

Der wichtigste Schlüssel für persönlichen Erfolg und gesellschaftliche Teilhabe ist und bleibt gute Bildung. Deshalb wollen wir die frühkindliche Bildung in Berlin weiter stärken. Durch den verbesserten Betreuungsschlüssel, den wir mit 170 Millionen Euro zusätzlich finanzieren, entwickeln sich unsere Kitas zunehmend zu hochwertigen Bildungseinrichtungen. Wir setzen uns auch weiterhin für ausreichend verfügbare, qualitativ hochwertige und verlässliche Betreuungsplätze für alle Altersstufen ein. Mit einer Qualitätsoffensive für Kitas wollen wir insbesondere die Sprachbildung stärken und die Qualifizierung des pädagogischen Personals weiter vorantreiben. Mit dem Willkommensgutschein gewährleisten wir automatisch einen Zugang zur Kita ab dem dritten Lebensjahr. Schon im August 2026 bekommen Eltern einen Kitagutschein nach Hause geschickt. Kein Antrag, kein Weg zum Amt.

Auch multiprofessionelle Strukturen und die Kita-Sozialarbeit werden wir gezielt ausbauen. Mit dem Kita-Chancenjahr haben wir die Vorschule in Berlin wieder eingeführt. Diesen erfolgreichen Ansatz wollen wir stärken und weiter ausbauen – mit dem Ziel, alle Kinder bestmöglich auf die Schule vorzubereiten. Im Mittelpunkt stehen dabei Sprachförderung, soziale Kompetenzen und grundlegende Fähigkeiten für erfolgreiches Lernen – vom sicheren Sprachverständnis bis hin zu motorischen und schulischen Grundfertigkeiten wie dem Um gang mit Stift und Papier. Klar ist jedoch: Kinderarmut ist immer auch Elternarmut. Deshalb setzen wir insbesondere auf die Stärkung der Erwerbsperspektiven von Eltern – gerade auch von Alleinerziehenden, die häufig allein die finanzielle Verantwortung tragen und zugleich erheblichen zeitlichen Belastungen ausgesetzt sind. Dafür braucht es verlässliche, qualitativ hochwertige und bedarfsgerechte Kinderbetreuung, starke Ganztagsangebote sowie Betreuungsmöglichkeiten auch in Randzeiten. Ergänzend setzen wir uns für gezielte Qualifizierungs- und Wiedereinstiegsprogramme sowie familienfreundliche Arbeitsmodelle ein."

Die Linke: "Kinderarmut ist Familienarmut. In Berlin ist fast ein Drittel aller Minderjährigen auf staatliche Hilfen angewiesen. Armut ist nicht nur materieller Mangel, sie schließt junge Menschen auch von gesellschaftlicher Teilhabe, Bildung und einer gesunden Entwicklung aus. Den strategischen Zielen der Berliner Strategie gegen Kinderarmut schließen wir uns an. Wir wollen, dass die Landeskommission zur Prävention von Kinder- und Familienarmut eine ressortübergreifende gesamtstädtische Strategie zur Verbesserung der Lage von armen und armutsgefährdeten Kindern, Jugendlichen und deren Familien, entwickelt. Wir wollen, dass alle Angebote der öffentlichen Daseinsvorsorge für Kinder und Jugendliche kostenfrei sind, ohne komplizierte Anträge und stigmatisierende Bedarfsprüfungen. Für die gebührenfreie Kita, den kostenfreien Hortbesuch bis Klasse Drei und kostenfreies Essen an Grundschulen haben wir bereits gesorgt. Aber es muss weitergehen: Jedes Kind muss kostenlos ins Schwimmbad gehen oder im Jugendclub kochen können. Wir werden neue Formen der Gebühren- bzw. Kostenfreiheit prüfen."

Bündnis 90/Die Grünen: "Wir wollen die Berliner Strategie gegen Kinderarmut zu einem verbindlichen Handlungsrahmen der Berliner Politik machen. Entscheidend ist für uns dabei nicht die Summe einzelner Projekte, sondern ein abgestimmtes Gesamtsystem der Armutsprävention. Die Berliner Strategie sieht hierfür integrierte bezirkliche Strategien, eine sozialräumliche Ausrichtung der Ressourcen, mehr Armutssensibilität und eine wirkungsorientierte Steuerung vor. Genau diese Verzahnung wollen wir stärken: Senatsverwaltungen, Bezirke, Schulen, Kitas, Jugendhilfe, Gesundheitsversorgung, soziale Träger und Zivilgesellschaft müssen ihre Angebote besser aufeinander abstimmen. Dazu gehört für uns:

1. Teilhabe für alle sicherstellen: Durch den Ausbau von sozialer Infrastruktur wie Familienzentren, Jugendfreizeiteinrichtungen oder z. B. Winterspielplätzen wollen wir allen Kindern und Jugendlichen die Teilhabe an Sport, Kultur, Freizeit- und Ferienangeboten ermöglichen, unabhängig vom Einkommen ihrer Familien.

2. Frühzeitige Ansprache von Familien: Durch die Weiterentwicklung von wohnortnahen und mobilen Familienservicebüros wollen wir Beratungs- und Unterstützungsangebote direkt zu den Familien bringen. Damit Behördenangelegenheiten oder die Kitaplatzsuche nicht an zu langen Wegen scheitern.

3. Frühkindliche Bildung und Sprachförderung stärken: Weil frühkindliche Bildung ein zentraler Schlüssel zur Bildungsgerechtigkeit ist, wollen wir den Zugang zur Kita vereinfachen und allen Familien zur Geburt ihres Kindes einen Kitagutschein mit mehrsprachigen Informationen zukommen lassen. Gleichzeitig wollen wir die tatsächliche Fachkraft-Kind-Relation und Sprachbildungsangebote in den Kitas ausbauen.

4. Bildungschancen unabhängig vom Elternhaus verbessern: Damit die Zukunftschancen unserer Kinder nicht von den Unterstützungsleistungen der Elternhäuser abhängig sind, wollen wir Bildungsübergänge gerechter gestalten und Gemeinschaftsschulen stärken und ihre Zahl verdoppeln.

5. Ausbildung und Studium ermöglichen: Damit finanzielle Belastungen nicht den Weg in Ausbildung und Studium versperren, wollen wir Jugendlichen bessere Übergänge in Ausbildung und Studium ermöglichen und zugleich bezahlbaren Wohnraum für Auszubildende und Studierende schaffen. Denn Kinderarmutsprävention endet nicht mit dem Schulabschluss.

6. Gesundes Aufwachsen ermöglichen: Gesundheitsförderung muss da beginnen, wo Kinder leben, lernen und ihre Freizeit verbringen und darf keine Frage des Einkommens sein. Deshalb wollen wir gesundheitsbezogene Unterstützungsangebote besser mit Familien-, Bildungs- und Jugendhilfeangeboten vernetzen und insbesondere Kinder und Jugendliche mit besonderen Bedarfen besser erreichen.

7. Gesunde Ernährung unabhängig vom Einkommen sichern: Das kostenfreie Schulessen wollen wir ab der 7. Klasse auf alle Kinder und Jugendlichen ausweiten. Damit kann ein konkreter Beitrag zur materiellen Entlastung von Familien und zugleich zur Umsetzung des Ziels einer gesunden und ausgewogenen Ernährung für alle geleistet werden.

8. Materielle Armut bekämpfen: Wir halten an der Forderung nach einer Kindergrundsicherung auf Bundesebene fest und wollen sicherstellen, dass Familien die ihnen zustehenden Leistungen tatsächlich erhalten und Zugänge dazu möglichst unbürokratisch und niedrigschwellig gestaltet werden.

9. Wohnen als Armutsprävention: Wir wollen den Anteil gemeinwohlorientierten Wohnens in Berlin deutlich erhöhen und insbesondere familiengerechten, bezahlbaren Wohnraum sichern. Für Menschen, die auf dem freien Wohnungsmarkt chancenlos sind, wollen wir das Geschützte Marktsegment ausbauen und stärker auf familiengerechte und barrierearme Wohnungen ausrichten.

10. Eltern bei der Integration in Arbeit unterstützen: Wir verfolgen den Ansatz, strukturelle Hürden für Eltern in die Arbeitswelt abzubauen und Erwerbsarbeit durch verlässliche Kinderbetreuung zu ermöglichen. Denn gute und verlässlich bezahlte Arbeit ist ein wichtiger Schutz vor Familienarmut. Dafür müssen Betreuung und Arbeitswelt zusammenpassen. Gleichzeitig wollen wir Alleinerziehende besonders unterstützen und Familienangebote so gestalten, dass sie auch für Menschen mit schwierigen Arbeitszeiten erreichbar sind."

SPD: "Kinderarmut ist kein individuelles Versagen von Familien, sondern eine politische und gesellschaftliche Herausforderung. Sie betrifft Einkommen, Bildung, Gesundheit, Wohnen sowie soziale, kulturelle und digitale Teilhabe.

Wir verfolgen deshalb eine Doppelstrategie: Familien müssen materiell besser abgesichert werden. Gleichzeitig müssen alle Kinder unabhängig vom Einkommen ihrer Eltern Zugang zu guter Bildung, Gesundheit, Freizeit und gesellschaftlicher Teilhabe erhalten. Alle Kinder und Jugendlichen verdienen gute Chancen auf Bildung, Gesundheit, Teilhabe und ein sicheres Aufwachsen. Bildung ist für uns der wichtigste Aufstiegsweg. Deshalb wollen wir das Aufstiegsversprechen erneuern: durch gute Kitas, starke Schulen, bessere Sprachförderung, verlässliche Jugendhilfe und echte Teilhabe.

Ein weiterer zentraler Ansatz ist eine frühzeitige Unterstützung: Um Familien von Beginn an zu unterstützen und möglichst viele zu erreichen, weiten wir die Modellprojekte zur sozialen Beratung in Kinderarztpraxen aus. Die aktuelle Finanzierungspraxis und den Finanzierungsschlüssel bei den Hilfen zur Erziehung reformieren wir so, dass kein Bezirk trotz hoher Bedarfe benachteiligt wird.

Um Teilhabe nicht vom Geldbeutel der Eltern abhängig zu machen, wollen wir kulturelle Angebote für junge Menschen besser zugänglich machen und eine Jugendkulturkarte mit einem jährlichen Kulturguthaben für junge Berliner*innen zwischen 18 und 23 Jahren einführen.

Armut von Kindern hängt häufig auch mit der Erwerbssituation der Eltern zusammen. Darum wollen wir öffentlich geförderte Beschäftigung stärken und jährlich 500 neue Arbeitsplätze im Förderprogramm „Soziale Betriebe“ schaffen. Diese sollen langzeitarbeitslosen Menschen sozialversicherungspflichtige Beschäftigung in marktnahen Tätigkeitsfeldern ermöglichen. Mit dem Projekt „Familien in Arbeit“ wollen wir insbesondere Alleinerziehenden neue Perspektiven eröffnen. Alleinerziehende stehen für uns im Mittelpunkt. Sie tragen oft eine doppelte Verantwortung und sind besonders von Armutsrisiken betroffen.

Auf parlamentarischer Ebene setzt sich die SPD-Fraktion dafür ein, die Folgen von Kinderarmut systematisch zu verringern und ihre Ursachen dort zu bekämpfen, wo Landespolitik wirksam handeln kann – statt sie nur zu verwalten: Armut und Armutsfolgen müssen früh erkannt und abgefedert werden. Zugleich müssen die Strukturen gestärkt werden, die Kindern und Familien dauerhaft bessere Chancen eröffnen. Ein großer Teil der bestehenden Strukturen in der Kinder-, Jugend- und Familienpolitik dient im Kern genau diesem Ziel: soziale und strukturelle Ungleichheit auszugleichen, Teilhabe zu ermöglichen und Kindern unabhängig vom Elternhaus bessere Chancen zu eröffnen. Kitas, Familienzentren, Jugendämter, Jugendfreizeiteinrichtungen, Schulsozialarbeit, Hilfen zur Erziehung, Familienservicebüros, Verfahrenslots*innen, Gesundheitsangebote, Beratungsstellen und freie Träger sind nicht bloß Verwaltungs- oder Angebotsstrukturen. Sie sind zentrale Instrumente, um Armutslagen zu erkennen, Benachteiligung abzubauen und Familien frühzeitig zu unterstützen. Um Kinderarmut messbar zu reduzieren, braucht es eine ressortübergreifende Strategie mit klaren Indikatoren. Fortschritte müssen regelmäßig überprüfbar sein, damit politische Maßnahmen nachgesteuert werden können. Auf Bundesebene setzen wir uns weiterhin für eine armutsfeste Kindergrundsicherung ein."

Hier gelangen Sie zur Detailansicht!

Health in and for All Policies (Frage 1)

Gesunde-Städte-Netzwerk (Frage 2)

Gesundheitsdienstgesetz (Frage 3)

Gesundheitsziele                  (Frage 4)

Bezirkliche Gesundheitsziele (Frage 5)

Gesundheitsfolgenabschätzung (Frage 6)

Diskriminierung im Gesundheitswesen              (Frage 7)

Landesstrategie gegen Kinderarmut                            (Frage 8)

Gesundheitskompetenz        (Frage 9)

Integrierte Gesundheitszentren            (Frage 10)